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Ritter Martin von Waldenfels in Gorlosen

Ritter Martin von Waldenfels in Gorlosen

In dem Dorfe Gorlosen [Kr. Ludwigslust] an der alten Elde erhob sich früher eine mächtige Burg. Sie war von allen Seiten von tiefem Wasser umgeben und deshalb so gut wie uneinnehmbar. Der letzte Burgbesitzer, Martin von Waldenfels, war ein Raubritter und Wegelagerer erster Klasse. Mit seinen Verbündeten machte er die ganze Gegend unsicher. Nahe bei seiner Burg führte eine Brücke über die Elde. Damit ihm hier nun nichts entgehe, ließ er von seinem Schlafzimmer einen Draht unter die Brücke leiten. Sobald sich irgendetwas über die Brücke bewegte, erzitterte leise der Draht und ließ eine Glocke ertönen, die sich im Schlafgemach des Raubgrafen befand. Dann schoss der Herr von Waldenfels sofort aus seiner Burg hervor und auf seine Beute los.
Einst hatte er den Lübecker Bischof gefangen. Er hielt ihn lange Zeit bei Wasser und Brot in strenger Haft. Es gelang den Freunden des Bischofs nicht, ihn zu befreien. Da nahm sich der Gorlosener Fischer des Gefangenen an. Während der Nacht fuhr er mit seinem Kahn zu dem hart an der Elde liegenden Burgverlies, befreite den Bischof, verbarg ihn unter Schilf und fuhr mit ihm nach dem preußischen Dorfe Krienitz.
Doch der Raubritter merkte bald, was vorgegangen •war. Er setzte dem Flüchtling nach und konnte ihn bald ergreifen. Dann ließ er ihn auf eine Anhöhe bringen, ihn völlig entkleiden, an Händen und Füßen binden und den ganzen Leib mit Honig beschmieren. Von allen Seiten kam nun das Ungeziefer herbei und stürzte sich auf den unglücklichen Bischof. Da ihm auch weder Speise noch Trank gereicht wurde, machte der Tod seinen Martern bald ein Ende.
Als die Grausamkeit ruchbar geworden war, wurde der Ritter in die Acht getan und dabei als vogelfrei erklärt. Doch das kümmerte ihn wenig. Er raubte und plünderte ruhig weiter.
Einst war es um die Neujahrszeit. Da hörte der Waldenfels, dass ein Warenzug Lübecker Kaufleute bei seiner Burg vorüberkommen werde. Das erfüllte ihn mit teuflischer Gier; und sogleich stand es bei ihm fest, dass die kostbare Ware sein eigen werden müsse.
Aber gerade in dem Augenblick, als der Raubritter auf Plünderung ausziehen wollte, erwartete sein holdes Weib die Geburt eines Kindes. Seine Frau bat ihn darum immer wieder flehentlich, sie in ihrer schweren Stunde doch nicht zu verlassen. Als alles Bitten vergeblich war, klammerte sich das arme Weib fest an ihren Mann. Hart und gefühllos aber stieß er es mit solcher Wucht von sich, das es blutend zu Boden stürzte. Dann stürmte er hohnlachend ins Freie.
Bald darauf gebar die Burgfrau ein totes Söhnlein. Dabei gab sie selbst ihren Geist auf. Dem ruchlosen Ritter aber ging es in der gleichen Stunde auch ans Leben. Denn die handfesten Begleiter des Lübecker Zuges wehrten sich beim Angriff des Ritters aufs äußerste und schlugen so kräftig auf den Unhold los, dass er sterbend zusammenbrach.
Sein ruheloser Geist aber spukte noch lange während der Neujahrsnacht in Gorlosen.


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