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Ritter Hennecke und das schwarze Pferd

Ritter Hennecke und das schwarze Pferd

Eine halbe Meile von Röbel liegt das Rittergut Ludorf, auf welchem früher das längst ausgestorbene Geschlecht derer von M. wohnte. Ein Spross dieses Geschlechts, Ritter Hennecke, war wegen seines wilden, sündhaften Lebens berüchtigt. Er lebte in Saus und Braus und verprasste sein Geld, so dass er in Schulden geriet und zuletzt sein Gut verpfänden musste.
Einstmals erschien auf dem Hofe ein fremder Pferdehändler. Niemand kannte ihn, aber alle fürchteten sich vor seinem unheimlichen Aussehen. Der Pferdehändler ließ sich bei dem Ritter melden und bot ihm ein rabenschwarzes Pferd, mit langen starken Mähnen, von riesigem Wüchse und Körperbau und wildem Ansehen zum Kaufe an. — Hennecke, der ein kühner Reiter und Pferdefreund war, fand Gefallen an dem Tiere und befahl seinem Reitknecht, es vorzureiten. - Der Reitknecht versuchte es, wurde aber alsbald abgeworfen. Wie oft er es auch wiederholte, keinmal wollte es besser glücken. - Da ward der Ritter zornig, schlug ihn mit der Peitsche und rief seinen Kutscher. Auch diesem glückte es nicht und ebenso wenig einem von den übrigen Knechten.
Endlich bestieg es der Ritter selber, stieß ihm die Sporen in die Seite, dass das Blut nur so herunterfloß, und zwang mit starker Hand das Pferd zum Gehorsam. Als er es eine Weile geritten, fragte er den Pferdehändler nach dem Preise. Dieser forderte eine hohe Summe. Hennecke wollte das Geld holen, aber es fand sich, dass er nicht so viel hatte. Da sagte er zu dem Händler: »Ich will Euch noch die Glocken vom eingestürzten Kirchturm geben.« — »Topp«, sagte der andere, »in drei Teufels Namen.« - Die Glocken wurden aus dem Schutt des Turmes hervorgesucht, und der Pferdehändler zog von dannen.
Bald darauf musste Hennecke, über und über verschuldet, Ludorf räumen und siedelte sich in einem Häuschen in Röbel an. Gern hätte er das Pferd auch verkauft, aber niemand wollte es ihm abkaufen, denn die Leute meinten, es sei kein ordentliches Pferd, sondern der Böse stecke darin.
In Elend starb Hennecke 1638 an der Pest in Röbel, ohne sich bekehrt zu haben. Darum ward ihm auch kein christliches Begräbnis zuteil, sondern auf einer Schleife wurde er von seinem schwarzen Rosse nach dem Kirchhof geschleppt und dort verscharrt. Von der Gruft lief das Pferd in rasender Schnelle von dannen und wurde einige Tage darauf in einem Brunnen tot gefunden.


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