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Die Kette an der Kirchentüre zu Wesenberg

Die Kette an der Kirchentüre zu Wesenberg

Vor langen Jahren wünschten die ehrsamen Bürger von Wesenberg ihre Kirche auf irgendeine besondere Weise zu verzieren. Zu diesem Zwecke wurde ein dortiger Schmiedemeister (andere erzählen, dass es ein Schlossermeister war) beauftragt, eine lange stattliche Kette anzufertigen, die dann an der Kirchentüre befestigt werden sollte.
Der Meister machte nun darauf eine derartige und zeigte sie dann, sich im Stillen selbst über das eigene Werk, das ihn so manchen Tropfen Schweiß gekostet hatte, freuend, der verehrlichen Ortsobrigkeit vor. - Aber o Schreck! Man tadelt dieselbe nicht nur, sondern weist sie sogar ganz zurück, mit dem Bedeuten, eine zweite, bessere zu arbeiten. - Der arme verblüffte Mann geht, sich vor Verdruss den Kopf kratzend, wieder nach Hause; lässt es sich aber dennoch nicht verdrießen, frisch bei einer neuen Kette zu beginnen. Endlich ist auch diese •wieder fertig, und triumphierend bringt er sie den Repräsentanten der Stadt. - Aber was geschieht? Auch diese wird getadelt, ist hier und da nicht gut genug, kurz, es heißt: »Ändere und mache sie besser! «
Noch einmal geht der bestürzte Schmied unermüdet an die Arbeit, bessert die hervorgehobenen Makel und Mängel auf das sorgfältigste aus, putzt sie auf das sauberste und bringt sie nun zum dritten Male aufs Rathaus, sich endlich des Sieges und des darauf folgenden Lohnes ganz gewiss glaubend. - Doch die mäkligen Senatoren sind auch jetzt noch nicht damit zufrieden und befehlen, nochmals eine ganz andere zu machen. — Das scheint unserm betrogenen Meister aber doch allzu toll: Zornig wirft er den Herren die Kette vor die Füße, und fluchend ausrufend: »So möge Euch der Teufel eine bessere machen! « geht er davon.
Und o Wunder! Was er gesagt, geschah, sein Ausspruch ist erfüllt. Denn als am ändern Morgen die Wesenberger frisch erstehen, sehen sie mit Staunen und Grausen eine Kette, ohne Anfang und Ende, an der Türe ihrer Kirche hängen, und sich bekreuzend raunt das Volk einander in die Ohren, dass sie der Teufel dort über Nacht befestigt habe.

Wird dies auch heute noch von vielen geglaubt, so gibt es doch auch schon lange Zweifler, die da annehmen und behaupten, dass der Schmied selbst derjenige war, der in der Nacht dies Wunder getan und die Kette dort selbst, wo sie noch heutigen Tages [1857] sich befindet, befestigt habe.


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