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Die Frauen von Kessin

Die Frauen von Kessin

Als da, wo Rostock jetzt steht, noch keine Kirche war, nur einige Fischer am Strande wohnten. . ., [als] noch ein König, den man auch Herzog nannte, dort sein Wesen hatte.. ., als Rostock noch da stand, wo Kessin jetzt liegt, stand da oben ein Schloss mit sieben Türmen. Der Herzog war ein böser, grausamer Kerl, aber ein tapferer Held, der viele Kriegsschiffe hatte. Alle kleinen Fürsten hatte er unter dem Joch. Doch damit war er noch nicht zufrieden; er fing auch Krieg an mit den Moskowitern. Diese kamen mit einer großen Armee, schnitten ihm den Ausgang nach der Warnow ab und belagerten ihn mit seiner Mannschaft im Schlosse. Sie konnten dies aber nicht erobern, weil es gewaltig dicke Mauern hatte.
Da wollten sie ihn aushungern. Als sie dies fast soweit gebracht hatten, ging die Königin mit den anderen Frauen ins Lager zu den Moskowitern, und sie kriegten freien Abzug mit dem Besten, was sie heraustragen könnten. Sie nahmen nun ihre Männer auf den Rücken, um sie hinauszutragen. Die Königin ging vorauf. Allein, als sie auf die Brücke kam, konnte sie ihren Mann nicht mehr tragen, weil er zu groß und zu dick, sie aber zu behende war. Sie fiel auf die Knie nieder, und ihr Mann tründelte von ihrem Rücken. Da sprang der König der Moskowiter schnell auf die Brücke und stieß ihn mit dem Spieße durch und durch, dass er sogleich tot war. Seine Soldaten begruben ihn da unter dem großen Stein vor dem Schlosse. Die anderen Frauen brachten ihre Männer alle glücklich über die Brücke.
Das Schloss wurde nun rein ausgeplündert; doch das Beste -einen goldenen Tisch und ein Götzenbild von Gold, gerade wie das hölzerne Bild, das im Turm zu Kessin noch jetzt [1879] steht -konnten die Moskowiter nicht finden. Denn die beiden hatte der Herzog in den Brunnen versenkt, der da auf der ändern Seite von der Steinmauer liegt und jetzt lange nicht mehr so tief ist als dazumal. Unter dem Schlossplatz ist aber alles hohl; denn es ist noch nicht lange her, als zwei Ochsen beim Haken da hineinfielen. Die konnte man nicht wieder herausholen, denn man konnte mit einer Hopfenstange keinen Grund finden. Der Schlossplatz ist seit der Zeit nicht wieder besät.


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